Mitten in der Nacht. Es ist dunkel und still. Plötzlich heulen die Sirenen. Während ich nur kurz hochschrecke, mich dann aber umdrehe und weiterschlafe, rüsten sich andere für den Einsatz: mutige Männer und Frauen der Feuerwehren, die freiwillig und unentgeltlich unter Gefährdung ihrer eigenen Person für andere da sind und für deren Sicherheit sorgen. Stellvertretend für alle Mitglieder einer freiwilligen Feuerwehr hat sich Alexander Ammann, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Reutte, die dieses Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiert, bereit erklärt, mir ein paar Fragen zum Leben und Wirken eines Feuerwehrmannes zu beantworten.

Wann und warum hast du dich dazu entschieden dich für andere, größtenteils unbekannte Personen in Gefahr zu begeben und der Freiwilligen Feuerwehr beizutreten?

Ich glaube der Mythos „FEUERWEHR“ wurde mir bereits in die Wiege gelegt. Mein Vater ist auch ein Feuerwehr‘ler und hat mich schon als kleinen Buben viel in die Feuerwehrhalle mitgenommen. Ich durfte mit den Feuerwehrautos mitfahren und es hat mich damals schon fasziniert, was für eine Gemeinschaft und Kameradschaft dort gelebt wird. Im Juli 1986 bin ich dann offiziell der Jugendfeuerwehr beigetreten und ich kann für mich persönlich sagen, dass ich diesen Schritt bis heute noch kein einziges Mal bereut habe!

Die Freiwilligen Feuerwehren erfüllen neben der Brandbekämpfung zahlreiche weitere wichtige Aufgaben für die Bevölkerung. Welche drei sind die deiner Meinung nach am wenigsten bekannten?

Die Feuerwehren leisten zusammen mit allen anderen Blaulichtorganisationen einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität in unserem schönen Land und entwickeln sich immer mehr zur „Spezialtruppe“ und „Mädchen für Alles“! Besonders die Prävention im vorbeugenden Brandschutz, der Sicherheit und im Katastrophenschutz sind bereits die Themen der Gegenwart und auch der Zukunft. Dabei leisten wir aus meiner Sicht auch einen kleinen Beitrag für den Tourismus, da schon viele unsere Gäste ihre Urlaubsdestinationen nach dem Kriterium „Wie sicher ist mein Urlaubsland“ aussuchen.

Ohne Kameradschaft und Teamgeist geht bekanntlich nichts. Wie schafft ihr es als freiwillige Feuerwehr den Zusammenhalt zu stärken und dauerhaft zu erhalten?

In der heutigen Zeit macht der Leistungsdruck auch vor freiwilligen Hilfsorganisationen nicht halt. Mit dem Anspruch auf Professionalität und Perfektionismus legen wir uns teilweise auch selbst die „Latte“ sehr hoch. Für mich persönlich ist aber die Ressource „Mensch“ dabei immer im Vordergrund – denn was nützt das schönste, neueste und größte Feuerwehrfahrzeug, wenn niemand mehr da ist um es zu bedienen?! Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass gelebte Kameradschaft und ein menschlicher, offener Umgang eine der Hauptsäulen bei der freiwilligen Arbeit sind.

Welche Gedanken schießen dir als erstes durch den Kopf, wenn du zu einem Einsatz gerufen wirst?

Tief durchatmen und Ruhe bewahren – was wird uns jetzt am Einsatzort erwarten, eventuell auch welche Gefahren. Und dann das abrufen, wofür wir ausgebildet wurden bzw. bereits geübt oder geprobt haben.

Was war der skurrilste Einsatz deiner bisherigen Tätigkeit als Feuerwehrmann?

Da fällt mir jetzt spontan ein Brandmeldealarm in einem öffentlichen Gebäude (Schule!) ein, in dem Rauchverbot herrscht, der Hausgang von Rauchverbotsschildern übersät war und ein Lehrer den Brandalarm mit seiner E-Zigarette in einem Klassenzimmer ausgelöst hat. Natürlich gibt es schon noch skurrilere bzw. auch lustige Geschichten, die wir bei unseren Einsätzen erleben durften, es gilt aber auch für uns eine gewisse Schweigepflicht.

Als Mitglied der Feuerwehr bekommt man im Laufe seiner Karriere sicher auch zahlreiche unschöne Szenen zu sehen. Wie gehst du damit um? Welche Strategien hast du für dich selbst entwickelt, um solche Situationen nicht zu nahe an dich heranzulassen?

Beim Einsatz selber finde ich, steht sicher das Helfen vordergründig im Fokus. Natürlich sind wir auch immer wieder mit schwerstverletzten oder sogar leblosen Personen konfrontiert. Wir versuchen durch gemeinsame Gespräche die gewonnenen Eindrücke und Bilder aufzuarbeiten und reden im Anschluss an solch belastendende Einsätze in kameradschaftlicher Runde darüber. Weiters bieten wir bei ganz dramatischen Fällen unseren Mitgliedern professionelle, psychologische Hilfe an.

Wir arbeiten auch immer wieder, besonders bei Großveranstaltungen wie unserem Sommeropening oder den Ritterspielen, mit der Freiwilligen Feuerwehr vor allem zum Thema Sicherheit zusammen. Dafür und für die Bereitschaft zu diesem Gespräch bedanke ich mich abschließend herzlich bei Alexander, stellvertretend für alle im Einsatz stehenden Florianijünger.