Einst bei der Feuerwehr… der Brand des Amtsgebäudes im Jahr 1931
Das damalige Amtsgebäude – heute das Bezirksgericht – beherbergte Gericht, Bezirkshauptmannschaft und Gendarmerie unter einem Dach. In der Nacht des 16. Dezember 1931, nur 20 Minuten vor Mitternacht, brach im hinteren Teil des Gebäudes ein äußerst gefährlicher Brand aus.
Bereits kurz nach Ausbruch schlugen die Flammen bis ins Dachgeschoss, während eine meterhohe Funkensäule in den Himmel loderte. Glücklicherweise waren die Feuerwehr Reutte sowie die Fabriksfeuerwehr rasch vor Ort. Kurz darauf trafen auch die Nachbarwehren aus Pflach, Lechaschau, Ehenbichl, Wängle und Höfen ein, um Unterstützung zu leisten.
Die Situation war kritisch: Das Feuer drohte, sich in kürzester Zeit auf das gesamte Gebäude auszubreiten – insbesondere auf das darin befindliche Grundbuch mit seinen umfangreichen Papierbeständen.
Als Löschwasserquelle diente die Ritsche[1] mit ihren Stellfallen. Doch genau hier lag das Problem: Die mit Brettern verschlossenen Öffnungen waren tief verschneit und vereist. Die Einsatzkräfte mussten fast 20 Minuten aufwenden, um Zugang zum Wasser zu bekommen. Erst fünf Minuten vor Mitternacht konnten die eigentlichen Löscharbeiten beginnen. Vier Motorspritzen mit insgesamt 16 Schläuchen kamen zum Einsatz.
Besonders gefährlich wurde der Einsatz durch immer wiederkehrende Explosionen von Patronen in den Räumen der Gendarmerie. Zudem war die Stromversorgung teilweise ausgefallen. Zwei Monteure des Elektrizitätswerks legten unter schwierigen Bedingungen eine Notleitung – oft knöcheltief im Wasser stehend.
20 Minuten vor zwei Uhr war es gelungen, den Brand einzudämmen. Vollständig gelöscht werden konnte er jedoch erst um 4 Uhr morgens – währenddessen hatte auch noch ein heftiges Schneegestöber eingesetzt.
Erst bei Tagesanbruch wurde das gesamte Ausmaß der Zerstörung sichtbar: Das oberste Stockwerk war vollständig ausgebrannt. Die Räume der Bezirksbauleitung und der Gendarmerie lagen in Trümmern. In einem Schlafzimmer, in dem drei ledige Gendarmeriebeamte untergebracht waren, verbrannten sämtliche persönlichen Gegenstände sowie Dienst- und Zivilkleidung.
Auch in den unteren Stockwerken richtete das Löschwasser erheblichen Schaden an, sodass diese über längere Zeit unbenutzbar blieben. Für die betroffenen Dienststellen mussten Ersatzquartiere gefunden werden.
Als Konsequenz aus diesem Einsatz forderte die Feuerwehr, entlang der Ritsche[1] in regelmäßigen Abständen erhöhte Holzkästen anzubringen. Diese sollten sicherstellen, dass die Wasserentnahmestellen auch bei starkem Schneefall im Ernstfall schnell auffindbar und zugänglich sind. Denn in jener Nacht mussten die vereisten Ritschenöffnungen unter großen Mühen erst freigelegt werden.
(vgl. Lipp 2017: 69)
[1] Ritsche: Wasserleitungsgräben oder Brunnen, die zur Brandbekämpfung genutzt wurden


